online travelogue

nass nass nass

So lag ich gestern im Zelt an der Straße, hörte ab und zu noch ein paar Autos vorbeifahren und stellte gerade dann fest, als ich warme Füße hatte, dass mein Geld inklusive Reisedokumente + Kreditkarten noch draußen in der Tasche liegen. Da wo ebenfalls mein Pullover ist. Also noch einmal raus aus der kuscheligen Höle und ab ins nasse Gras. Eine liebe Stimme redete mir noch gute Träume zu und so schlief ich bis 8 Uhr durch und wurde von Schnecken begrüßt.


Die klebten an so einigen Stellen am Zelt. Da das Wetterradar von 8-12 Uhr von weiterem Regen sprach, ging ich kurz zum Proviantsack und machte mir in meiner kleinen Einmanhöle Frühstück im Liegen zwischen Zahnbürste, Fahrradschuhen, wohlriechenden Strümpfen, Handtuch und Kopfkissen. Heute öffnete ich „Nugatti“ die Haselnusscreme aus Norwegen. Boah war das lecker. Schön natürlich gekühlte Butter und Nugatti – was will man mehr wenn eh nix geht? 🙂

Vor langer Weile schlief ich bis 11:30 Uhr und versuchte, bei anhaltendem Regen, im Zelt nicht gegen die Auswände zu kommen und trotzem schon alles einzurollen und zu verpacken – Wunschdenken! 

Es war kaum Wind, meine Körperwärme traf auf die Außentemperatur und erzeugte so nette Kondenstropfen die dann so schön ins Zelt fielen. Irgendwann sah es so aus, als würde es nicht mehr regnen, sondern nur noch nieseln und so ergriff ich die Chance. Regensachen und FlipFlops an und rann an den Speck. Ich versuchte, schneller als sonst alles einzupacken. Dabei musste ich diverse Schnecken vom Zelt und den Taschen entfernen. Die kleinen glibberigen Dinger hatten es fast in die Taschen geschafft. Dann war ich fertig. Das Zelt packte ich völlig nass oben auf den Packsack und fuhr mit Gamaschen, Radlerhose, Regenjacke und Pilskopf (Fahrradhelm + neongelbem Regenüberzug) weiter Bergauf. 


Der kleine Wasserfall von gestern war inzwischen ein nicht zuunterschätzendes Monstrum geworden. Schon nach kurzer Zeit bergauf tropfte es mir von der Stirn. Mir war in der Regenjacke so warm, draußen war kein Wind, aber ich befand mich inzwischen in den Nebel/Regenwolken – so beschloss ich die Jacke etwas zu öffnen und den Helm abzusetzen. Bei meiner Geschwindigkeit von 2 km/h wird mich schon jeder erkennen. Die Sichtverhältnisse schwankten ständig je nach Thermik und lagen manchmal nur bei 20 m. 

Viele Norwegische Autofahrer grüßten durch Handzeichen und ein Motorradfahrer klopfte mit seiner Faust auf seine Brust und grüßte. Das gab mir etwas Kraft weiterzufahren. Ich hielt immer öfter einfach an und konnte sogar meinen Atem sehen. Manchmal fragte ich mich auch, warum ich nicht einfach Mareks Idee „Fahre doch mit dem Motorrad“ nachgekommen bin. Einfach kurz mit der rechten Hand am Griff drehen und fertig. Doch an meinem Griff konnte ich nicht drehen. Stattdessen motivierte ich mich immer wieder mit dem Song von Gentleman „to the top“ und der Passage „we can make if we try […] we can make it to the top“. Manchmal stehe ich am Straßenrand, ein Bein in der Leitplanke, das andere in der Pedale, atme tief durch, erfreue mich über das grüne Gras, sehe nichts außer Nebel und brülle einfach „i can make it to the top“ und trete wieder in die Pedale…. für ein paar hundert Meter. Dann sehe ich ein Schild „Velkommen til Gullingen“ und da sind fröhliche Skifahrer drauf. Moment mal! Skifahrer? Neee, nicht wirklich 😳. Doch!

Ich zähle die Kurven und weiß, dass ich nach der nächsten rechts-links-Kombi im Hochland von Gullingen angekommen bin. Dort lichtet sich der Nebel.

Da die Wetterprognose für morgen noch einmal richtig schön von 10-18 Uhr fetten Regen ansagt überlege ich, ob ich hier einfach einer diese Hütten in Beschlag nehme und zumindestens auf der überdachten Terasse schlafen könnte. Einen Versuch wäre es Wert. Ich nähere mich einer. Sie scheint verlassen. Da schießt Wasser von einem Bach in so einem schönen Strahl, dass ich gleich mal meine Wasserflasche darunterhalte. Und pitsch ist mein rechter Fuß im Gras versunken und quatschnass. Och, dass passt ja super zu meinem Shirt. In meinen Gedanken sehe ich nur noch, dass der nächste Campingplatz, entgegen der online-Anzeige, doch offen hat und mir eine Hütte anbieten kann. So radel ich weiter im Regen und mich erfreut schon ein Hinweisschild, auf dem ein Zelt und ein kleines Haus zu sehen ist. Angekommen am Campingplatz leuchtet dort eine Lampe im Fenster, ein paar Schafe stehen auf dem verlassenen Parkplatz. Sie hüpfen davon als sie mich sehen 🙂 und so radel ich zur Rezeption. Fast schon vor Freude springe ich die Stufen nach oben, haue die Klinke runter und … nix. Verschlossen. Nee, es gibt immer noch eine Chance! So finde ich eine Klingel und klingel.

Da öffnet ein Mann die Tür, ich grinse, er guckt, ich frage ihn ob er mir für 2 Nächte eine Hütte geben kann und er sagt JA. Ich sage nur „man, i would like to hug you“ und er grinst. Er zeigt mir die Küche …


den Trockenraum … wie geil ist das denn? Ein Trockenraum für die Skigäste im Winter ist ja ideal für mein Zelt 🙂

und mein Zimmer:

Genial! Ich glaube daran, dass irgendjemand ein Glückseimer über mich geschüttet hat. So dusche ich heiß, esse erstmal was und fange an, alles aufzuhängen. Setze mich ins riesige Wohnzimmer mit Panoramablick, lese in einem Kinderbuch

 und plane die nächsten Tage. 

Ich freu mich über die glücklichen Umstände 😊 und verschwinde in meinem Bett

Hinterlasse ein Kommentar