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Das war es …

Auf Koh Samui sind 35C und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Ich kippe fasst aus’m Latschen, als ich aus dem Taxi steige.

Beim Abflug wird mir erklärt, dass mein Rucksack, das erste mal auf meiner Reise, nicht am Stopover Flughafen transferiert wird. Ich muss ihn selbst abholen und wieder einchecken!
Angekommen in Bangkok. Ich laufe an allen vorbei, da mir nur wenige Minuten bleiben um den Rucksack vom Band zu holen und wieder einzuchecken.
Dort gibt’s nur die handgemalte Info: Reihe N und, dass der Checkin in 20min schließt, aber es steht nirgends wo der ist. Also zum Bangkok Airline Serviceschalter. Die erzählt mir was von ner 4. Ebene, ich bin aber gerade in der zweiten Ebene.
Also Laufe ich 5min zum Gepäckband. Dieses steht still.
Also gehe ich 2 Ebenen höher um zu sehen was dort ist, da hier alle nur „yes“ sagen und nix verstehen.
Oben angekommen ist nur der Checkin zu sehen.
Gedanke? Leck mich!
Also wieder runter. Da lässt mich der Wärter nicht mehr zum Gepäckband rein. Ich gehe trotzdem vorbei, weil ich ja noch 2min vorher mit ihm geredet habe. Da kommt ein 2. Wärter und packt mich am Arm. Ich erkläre ihm mit gereizter Stimme, dass ich noch 5min habe um mein Gepäck zu holen. Er erwidert nur: I know i know!
(Mein Puls ist oben, obwohl doch die ganze Reise so gut verlaufen war.)
Da hätte ich dem 1. eins aufs Maul hauen können. Ich soll nach rechts zur Passportkontrolle!
Also dorthin. Der wimmelt mich ab, weil er meine einfach gebauten Sätze nicht versteht. Ich überlege gerade, wo ihm die Faust besser steht. Links oder rechts?
Dann kommt ein 2. Passagier mit dem selben Problem. Ich werde lauter und er schafft es doch echt mich durchzulassen. Ich Laufe an den beiden von vorher vorbei und da grinst doch echt einer von denen! Ich glaube ich Morde noch.

Also am Gepäckband! Und was ist dort? Richtig! Es steht immer noch.
Ein anderer Russe mit selben Aufkleber für den Flug SU273 steht vor mir. Ich freue mich, nicht allein zu sein. Sein Puls ist deutlich am Hals zu erkennen. Das Gepäckband fährt los. Der Russe schnappt sich 2 Koffer und rennt los. Ich grinse und zeige beide Daumen hoch. Vor Freude vergesse ich für einen Bruchteil einer Sekunde dass der Checkin Schalter bereits geschlossen hat. Es ist 5min nach halb und somit habe ich es verkackt. Ich bin inzwischen der einzige, der noch am Gepäckband steht. Also quatsche ich nen Gepäckfritzen an. Da er nur Thai kann versteht er mich nicht. Es sei ihm verziehen!
Also zum Bangkok Baggage Service Schalter. Die Frau hinterm Tresen fängt an zu fuchteln und Formblätter zu suchen während ein 2. mit seinem WalkiTalki spricht. Dann fragt sie mich ob ich nen blauen Bagpack habe. Ja verdammt!
Also rennen wir alle zum Gepäckband und da kommt mein Rucksack. Schön mit nem Zollcheckbändchen dran. Den Typen hätte ich gern direkt zwischen die Beine gehauen und mit’n Kopp aufs Metallaufband geschupst. Frust ist in leichter Dosis vorhanden, glaube ich. Kann aber auch Hass über diese verfickte Scheiße sein.
Ich schmeiße also 17kg auf den Rücken, den kleinen 5kg Rucksack an die Seite und ab geht die Post.
Habe ich schon erwähnt, dass ich bereits 24h wach bin, da ich nicht schlafen konnte?!
Ich renne zu den Rolltreppen und schlage mich durch die Massen, bis ich 2 Etagen höher auf dem größten Checkin meines Lebens stehe.
Bangkok – i hate u!
Reihe N! Wo verdammt ist Reihe N?
Dann am Horizont! N
Scheiße … bestimmt 300m.
Also rennen. Dann ist unterm N aber nur P!
Wollen die mich verarschen?
Einen Schalter vorher dann N01 bis N30!
Die Übersicht schaltet gerade auf Chinesisch. Ich kotze innerlich, gehe an allen vorbei und ziehe mir son Typen ran. Der zeigt, dass ich nach links gehen soll. Dort werde ich wieder weiter geschoben … bis zu einem Schalter, der eigentlich geschlossen ist. Ich schmeiße den Pass hin und suche ein Handtuch, da ich einen Schweißtropen hinterm Ohr vermute.
Der Rucksack fliegt aufs Band und wiegt seit Koh Samui 1,2kg mehr.
Hmm? 1,2kg Kokain vlt? Haben die den Rucksack präpariert?
Leck mich. Ist mir gerade sowas von scheiß egal, da ich den, der mich jetzt zuerst anspricht leicht das Herz rausreiße.
Da packt die Dame hinterm Checkin nen Zettel hin, ich solle 700BATH Flughafengebühr zahlen. Sag mal will mich hier heute einer rollen?
Eine nette Thai, die ich bei meiner aktuellen Kraft bis zur Reihe A Schleudern hätte können, hilft mir den Schalter zum bezahlen zu finden.
Die am Schalter frage ich warum ich hier was zahlen muss!?
Es muss jeder zahlen!
Ich lege die letzten 120BATH hin und die Kreditkarte.
No! Only Cash!
Ich töte gleich!
Wo ist denn der ATM?
Da hinten bei Q ganz am Ende!
Die hätte ich gern an den Haaren dort hingezogen.
Nach 5min latschen (es macht sich leichte Resignation breit) finde ich hinter einer Geldwechselstube, quasi im toten Winkel, den ATM. Ein älterer Mann steht davor und schläft.
Ich komme ihm näher, dann erwacht er. Ich hole noch 600BATH und finde fast den Schalter zum Zahlen nicht mehr wieder. Bekomme nen handgemalten Zettel und laufe wieder zum geschlossen Checkin. Anscheinend bin ich doch der einzige, der über Moskau zurückfliegt.
Die 6 Angestellten können meine Fröhlichkeit genauestens erkennen und helfen mir noch die richtige Treppe zu betreten. Oben angekommen hat sich bestimmt eine Arbeitsgruppe es zur Aufgabe gemacht, Menschen durch Schlangenlinien zu treiben.
Da bin ich durch und um die Ecke. Jetzt gehts zur Passkontrolle.
Ich komme mir langsam so vor wie beim Hindernisslauf. Ich glaube es nicht! Da stehen echt ungelogen 400 Menschen an 30 Reihen an!
Leck mich fett! Auf der linken Seite stehen nur 40 Personen, aber die haben einen Thailändischen Ausweis. Ich spreche eine Mitarbeiterin an, welche Möglichkeiten sie mir zeigen kann um hier so schnell wie möglich durchzukommen. Sie empfiehlt die Thaikontrolle und schleust mich an allen vorbei. Direkt an den Schalter. Ohne zu mucken wird mein Pass gestempelt und ich kann durch.
Dann gehts weiter.
Ich schaue auf meinen Boardingpass E3
Ich bin bei A1-10!
Ich Schreie wirklich „Fuck You“ in die Halle und ein paar Leute schauen auch. Dann kommt eine Infowand. Ich schaue auf den Aufkleber, der seit Koh Samui an meinem Shirt klebt SU273 geht von D5.
Also laufe ich zu D5 und erblicke jemanden mit selben Aufkleber. Er irrt selbst herum. Wir vergleichen die Tickets und ich stelle fest, dass mein Flugzeug schon längst weg ist und die Nummer zum Aufkleber überhaupt nicht übereinstimmen. Also renne ich zu E3. Nach 1,5km stelle dort fest, dass dieser Scheiß verfickte Flieger eine Stunde Verspätung hat.
Ich weiß nicht ob ich mich freuen soll, da ich komplett abgefuckt bin und nur töten und sterben will.

Eben ist das iPhone beim Schreiben ausgegangen und hat die letzten 10min Schrift gelöscht.
Ich frage mich, wie das Handy wohl durch die Flughafenscheibe nach außen fliegt. Horizontal oder vertikal?
Ich Fresse gleich nen Besen. Mist! Ich habe Durst wie ein Wüstentourist.

Jetzt sitze ich im Flieger SU573. Anscheinend haben die mich verschoben oder was auch immer. Original wäre es wohl SU273 gewesen …
Der russische Pilot entschuldigt sich gerade für die Verspätung.“Very Big snow“ …. Ich sehe nicht mehr durch.
Die Boeing737, welche zu 40% ausgelastet ist, hat noch nichtmal nen Entertainmentsystem.
Brauche ich auch nicht. Mein Entertainment wird der Traum sein. Schal, Schlafbrille, Kapuze über und Musik an.

Angekommen in Moskau stelle ich fest, dass mein Anschlussflieger nach Frankfurt vor einer Stunde losgeflogen ist. Ich habe mich inzwischen mit diesem Schicksal abgefunden und bin relaxt. Wahrscheinlich hat es geholfen alles zeitnah und doppelt in Textform auf einem Smartphone nieder zu schreiben.

Die nette Angestellte vom Flughafen holt uns direkt zur Seite und parkt uns.
Dann bekommt jeder, der seinen Flieger verpasst hat, ein persönliches „wir haben alles im Griff, wir werden für sie alles organisieren“ … Ich bin dankbar!
4h später werden die 30 Leute getrennt (es ist 22 Uhr) und zwar nach Leuten die noch was zu Essen bekommen und welche, die Pech haben. Ich habe Glück, will aber eigentlich nur ins Notfallhotel um zu schlafen. Wir erhalten jeder einen Gutschein von 130 Rubel … Da ist ein süppchen drin, aber kein Glas Wasser mehr. Also greife ich mir nen Japaner (der einzige, der auch mit nach Frankfurt will) und wir packen unsere Rubel zusammen um jeweils eine Suppe und zusammen eine 0,5L Flasche Wasser zu kaufen.

Wir sind fertig, setzten uns wieder hin und warten. Es ist 0Uhr und wir werden zum Bus gebracht. Ich stelle die Lehne zurück, schaue noch einmal nach links, sehe ein Flugzeug und schlafe ein. …

Ich werde wieder wach. Selbe Position. Ich sehe wieder das Flugzeug. Schaue auf die Uhr und es ist 1Uhr.

Ich drehe mich verdutzt um und es wird mir zugetragen, dass einige Personen aus dem Bus nun doch in einen frührer Flieger durften und deshalb der Bus umgedreht sei. -> Oh man, was ein Tag.

Dann fährt der Bus wieder los. Er hält nach 20min an einem Hotel und lässt 3 Leute raus 🙁 3? Aber warum denn nur 3?

Er fährt weiter und weiter … Es ist 1:45Uhr und wir dürfen alle aussteigen. Vor mir läuft eine, man bedenke wir kamen aus Bangkok, in Hotpants und Flipflops tragende Frau im Schnee zum Hotel. Dort ist die Rezeptionistin erbost, denn für die 20 Leute hat sie nur 6 Zimmer …. Sechs Zimmer – Sechs!!!!

4 Pärchen schlagen direkt zu, andere wehren sich mit Fremden auf’s Zimmer zu gehen. Ich fackel nicht lange und Frage den Japaner – er stimmt sofort zu.

Im Zimmer dusche ich kurz und schalfe direkt ein. … Bis…Na? Bis das Telefon klingelt. In 15min ist Abreise!

Ich bin völlig verpeilt und schaue auf die Uhr. Es ist 6Uhr! Ich ignoriere es einfach. Das ist doch nicht deren Ernst!? Doch ist es, denn es klingelt ein zweites Mal „Wir warten nur auf Sie!“ 🙁

Also rein in den Bus und zum Flughafen. Mein Flieger geht übrigens um 13Uhr. Das sind dann noch 6h …

Nachdem ich mich mit der Situation angefreunde habe, sitze ich wieder am Flufgafen. Dort gehe ich zum Service Schalter der Airline und bitte um einen erneuten Voucher für eine Suppe. Ich komme mir vor wie ein Penner. Sie weist mich ab. Ich erkläre ihr die Situation und sie fängt an zu telefonieren. Sie legt auf und sagt mir wahrlich: „Sie waren doch eben im Hotel, richtig?“ Jaaa – sage ich mit halb fragender und halb feststellender Stimme!

Tja, da gab es doch ein Essen – wir ahtten für Sie Halbpension gebucht. Ich Fange an zu lachen. Das ist doch nicht deren ernst? Doch ist es. Ich lege mich wirklich mit ihr an. Am Ende versteht sie die Situation – beschweren kann mich mich im Büro, welches 3km enfernt in einem anderen Gebäude des Flughafen ist.

Ich gebe auf! Will nur noch schlafen, doch an diesem Flugahfen hat jede Sitzmöglichkeit Armlehnen. Somit ist es unmöglich mal über 3 Sitze sich breitzumachen. Es bleibt nur ein McDonalds übrig und so bestelle ich mir ein Happy Meal und schlafe ein. Nach unzähligen Stunden bin ich am Gate meines Abfluges und treffe den Japaner wieder. Unser Galgenhumor ist das einzige, was uns grinsen lässt. Der Flieger geht pünktlich und die 8h vergehen zügig.

Während des Landeanfluges suche ich bereits nach der nächsten Bahnverbindung in meine Heimatstadt. Ruckzuck buche ich diese und freue mich. Doch ich habe noch eine Stunde Zeit. Dann blitzt ein kleines Duschsymbol am Flughafen auf und ich entscheide mich, meine letzten frischen Sachen anzuziehen. Die Dusche kostet 10 Amerikanische Dollar, aber was soll es. Ich will wieder Mensch sein. So wird mir in einer Toilette eine fast versteckte Tür geöffnet und ich befinde mich in einer Dusche. Man war das ein tolles Gefühl.

Im Zug sitztend stelle ich fest, dass ich für 3,50€ ein Ticket gebucht habe. Dankste! Ich habe nur den Sitzplatz reserviert. Ich verwickele mich in ein Gespräch mit meinen Tischnachbarn und werde promt vom Bahnpersonal übersehen 🙂

Angekommen am Zielbahnhof holt mich ein befreundetes Pärchen ab. Wir fahren zu einem Parkhaus, wo mein PKW für meine Abwesenheit geparkt wurde. Ich schließe den PKW auf und Frage Christian ob er mir die Batterie reichen kann. Er beleibt stumm. Scheiße! Die habe ich vergessen!
Ich grinse und wir fahren hinter die 7 Berge zu den 7 Zwergen, trinken Kaffee und essen Gebäck. Beim zweiten Versuch kann ich meinen Wagen starten und ich fahre nach Haus. Was ein Gefühl. Immer wieder komme ich ins Schwanken, welche Fahrbahn ich in Deutschland nutzen muss.

Angekommen! Da bin ich wieder. Ich strahle! Es war mir ein paar Mal passiert, dass ich mich auf meiner Reise über meine Rückkehr gefreut habe, obwohl alles so schön war. Manchmal waren wohl die ständigen Unterkunftswechel echt zu viel.

Dieser Artikel war eine Selbsttherapie um mit den Vorkommnissen klar zu kommen. Manche Wörter würde ich gern im Nachhinein löschen, doch sie entstanden während der Situation und beschreiben manchmal ganz gut, wie ich mich fühlte.

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